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Niveaubeschreibungen Deutsch als Zweitsprache (DaZ)

Bei den Niveaubeschreibungen DaZ handelt es sich um ein Beobachtungsverfahren, das ermöglicht, den Kompetenzzuwachs im Deutschen über mehrere Jahre hinweg diagnostisch zu begleiten und zu unterstützen. Dadurch ist es im Rahmen der diagnosegestützten „Durchgängigen Sprachbildung“ besonders geeignet.

Es gibt die Niveaubeschreibungen Deutsch als Zweitsprache für die Primarstufe (ab Klasse 3), Sekundarstufe I und
Sekundarstufe II.

Aufgrund der unterrichtsbegleitenden Beobachtungen können individuelle Zweitsprachprofile erstellt werden, die darüber Auskunft geben, was die Schülerin oder der Schüler in der deutschen Sprache schon kann und was noch gelernt werden muss. Das informelle Diagnostikverfahren Niveaubeschreibungen DaZ wurde ursprünglich im Modellprogramm der Bund-Länder-Kommissionen „Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund” (FörMig) entwickelt. In Kooperation mit FörMig Sachsen und FörMig Schleswig-Holstein wurde das Instrument erprobt und evaluiert.

Auch wenn es sich bei den Niveaubeschreibungen DaZ um ein Beobachtungsinstrument handelt, mit dem der Kompetenzzuwachs der Schülerinnen und Schüler im Deutschen als Zweitsprache strukturiert beobachtet und beschrieben werden kann, wird die Beherrschung des Deutschen im allgemeinen schulischen Rahmen erfasst, die sich durch die sprachliche Produktion und Rezeption in einzelnen Fächern zeigt. Sie können deshalb als Grundlage für Gespräche mit anderen Lehrkräften und den Erziehungsberechtigten über den Sprachfortschritt einer Schülerin und eines Schülers eingesetzt werden. Die Niveaubeschreibungen DaZ sind deshalb Basis für Austausch und Planung kooperativer Förderplanung und bieten Unterstützung bei der Realisierung durchgängiger Sprachbildung.

Die sprachlichen Kompetenzen werden in folgenden Teilbereichen erfasst:

  • Weite der sprachlichen Handlungs- und Verstehensfähigkeit
  • Wortschatz
  • Aussprache
  • Lesen
  • Schreiben
  • Grammatik

Die Niveaubeschreibungen Deutsch als Zweitsprache sind vierstufig aufgebaut, Stufe IV korrespondiert mit den Vorgaben der Bildungsstandards der KMK im Fach Deutsch. Die Stufen I bis III stellen wichtige Etappen auf dem Weg zum Erreichen dieses Ziels dar.

Beispiel Verbstellung:

I II III IV
Die Schülerin bzw.
der Schüler produziert
Äußerungen, in denen
das Verb an zweiter
Stelle
hinter dem
Subjekt steht:
„Der Vater kocht Essen.“
Die Schülerin bzw.
der Schüler produziert
Äußerungen mit zweiteiligem
Prädikat.

• Modalverb mit Infinitiv:
„Der Vater möchte Essen
kochen.“
• Perfekt: „Der Vater hat
Essen gekocht.“
 
Die Schülerin bzw.
der Schüler produziert
invertierte Hauptsätze,
in denen das Verb vor
dem Subjekt steht:
„Dann kocht der Vater
Essen.“
 
Die Schülerin bzw.
der Schüler produziert
Nebensätze, in denen
das Verb am Ende steht:
„Ich sehe, dass der Vater
Essen kocht.“

Auszug aus Niveaubeschreibungen DaZ Sekundarstufe I,Beobachtungsbereich Grammatik/ Verbstellung

Die Niveaubeschreibungen DaZ werden in verschiedenen Beobachtungszeiträumen genutzt, um festzustellen, ob die Schülerinnen und Schüler bereits ein bestimmtes Sprachniveau in der Zielsprache Deutsch erlangt haben. Es hat sich bewährt, alle vier bis sechs Monate bei den Lernenden den Sprachfortschritt zu dokumentieren. Die einzelnen Teilbereiche im Deutschen werden über einen Beobachtungszeitraum von ca. zwei bis vier Wochen im Unterricht beobachtet.

Nach einer Einarbeitung in die Beobachtungsbereiche und die Begrifflichkeiten können die Beobachtungen im Unterricht oder von schriftlichen Arbeiten einfach dokumentiert werden. Die Beobachtungen sind im Fach Deutsch und in Deutsch als Zweitsprache sowie in ausgewählten Fächern bei einzelnen Schülerinnen und Schülern vorzunehmen. Es ist wichtig, dass die Beobachtungen von denjenigen Lehrkräften durchgeführt werden, die diese Schülerinnen und Schüler (überwiegend) unterrichten.

Die Empfehlung ist, dass die einzelne Lehrkraft zunächst zwei Schülerinnen bzw. Schüler auswählt, die in einer Unterrichtsstunde beobachtet werden. Aufzeichnungen im Unterricht zur mündlichen und schriftlichen Sprachproduktion der Lernenden in einzelnen Teilbereichen helfen später bei der Einschätzung der jeweiligen Niveaustufe.

Zur besseren Handhabbarkeit der Niveaubeschreibungen DaZ wurden von den Sprachbildungszentren in Niedersachsen Beobachtungs- und Dokumentationsbögen für die Schulen entwickelt. Der Beobachtungs- und Dokumentationsbogen ist für beide Bildungsetappen (Primarstufe und Sekundarstufe) gleich strukturiert und ein für die Praxis übersichtliches und leicht handhabbares Tool. Der Bogen kann für drei Beobachtungszeiträume (t1, t2 und t3) genutzt werden und bietet dabei einen guten Überblick über die sprachliche Progression bzw. Stagnation beim Spracherwerb während aller drei Beobachtungszeiträume. Die erreichte Niveaustufe wird im Beobachtungs- und Dokumentationsbogen abschließend angekreuzt bzw. ausgewiesen.